Kann die gewichtsbezogene Stigmatisierung in der Gesundheitsversorgung und Begleitprogrammen verringert werden?
Menschen mit Übergewicht oder Adipositas sind häufig negativen Einstellungen und diskriminierendem Verhalten aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes ausgesetzt. Diese Erfahrungen, insbesondere in medizinischen Einrichtungen und Begleitprogrammen, können ihre psychische und körperliche Gesundheit beeinträchtigen. Manchmal führen sie sogar dazu, dass Betroffene aus Angst vor Bewertung oder schlechter Behandlung medizinische Versorgung meiden. Ein Team aus Forschern und Fachleuten hat ein Instrument entwickelt, um Pflegekräften zu helfen, solche Diskriminierungen zu reduzieren.
Dieser Praxisleitfaden enthält neun zentrale Empfehlungen. Er betont zunächst die Schulung von Gesundheitsfachkräften. Diese sollte Vorurteile in Bezug auf Gewicht, Klischees über Adipositas und die Bedeutung einer respektvollen Sprache thematisieren. Die verwendeten Worte und die in Informationsmaterialien gezeigten Bilder sollten keine Stereotype verstärken. Zum Beispiel sollten Menschen mit unterschiedlichen Körperformen dargestellt und negative Klischees vermieden werden.
Auch die physische Umgebung spielt eine entscheidende Rolle. Wartezimmer, medizinische Geräte und Beratungsräume müssen für alle Körpergrößen und -formen geeignet sein. Waagen sollten an diskreten Orten platziert werden, und das Personal sollte immer die Zustimmung der Person einholen, bevor es sie wiegt. Ebenso wichtig ist es, mit den Betroffenen Gesundheitsziele zu besprechen, die über Gewichtsabnahme hinausgehen, wie die Verbesserung der Lebensqualität oder der körperlichen Aktivität.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Berücksichtigung der psychischen Gesundheit. Erfahrungen mit Stigmatisierung können zu Angst, Depressionen oder Essstörungen führen. Der Leitfaden empfiehlt daher, diese Risiken systematisch zu bewerten und bei Bedarf an Spezialisten zu überweisen. Er rät auch dazu, Patienten dabei zu unterstützen, verletzende Bemerkungen oder diskriminierende Situationen im Alltag besser zu bewältigen.
Schließlich wird empfohlen, regelmäßig Feedback von Patienten zu ihren Erfahrungen einzuholen. Dies ermöglicht es, die Praktiken anzupassen und die Versorgung respektvoller zu gestalten. Das Ziel ist nicht nur die Behandlung des Gewichts, sondern die Betrachtung der Person in ihrer Gesamtheit unter Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse und Schwierigkeiten.
Dieser Leitfaden wurde von Expert:innen und Betroffenen validiert. Er zeigt, dass konkrete Veränderungen in der Organisation der Versorgung die schädlichen Auswirkungen von Stigmatisierung verringern können. Durch die Übernahme dieser Praktiken tragen Fachkräfte zu einer menschlicheren und effektiveren Begleitung bei.
Nos références
Référence originale
DOI : https://doi.org/10.1038/s41366-026-02045-y
Titre : Development and validation of the EDIT weight stigma reduction checklist
Revue : International Journal of Obesity
Éditeur : Springer Science and Business Media LLC
Auteurs : Xochitl de la Piedad Garcia; Kelly Cooper; Isabelle R. Jardine; Angela S. Alberga; Katherine E. Darling; Andrew J. Hill; Erica M. Howes; Alaina P. Vidmar; Jacqlyn Yourell; Natalie B. Lister; Hiba Jebeile;